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Tauchen wir ein in die magische Welt mystischer alter Schriftzeichen

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„Tauchen wir ein in die magische Welt mystischer alter Schriftzeichen!“ lautete das Motto des mehrsprachigen UMIZ4KIDS Workshops am Samstag, den 7.März 2026 in der Alten Schule Unterwart. Das Ungarische Medien- und Informationszentrum Unterwart lud zu einem Vormittag, in dem die Geheimnisse der ältesten ungarischen bzw. slawischen Schrift erläutert und mit Hilfe von Experten ausprobiert werden konnten.
Institutsleiter Ladislaus Kelemen und Beiratsleiterin Katharina Dowas begrüßten die Gäste, die sogar aus Ungarn, Wien und Kirchschlag sowie der näheren Umgebung gekommen waren, und stellten die Referenten des Tages vor: Tierarzt Dr. Zoltán Hubbes, der sich auch sehr für die Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn engagiert, Siegfried Vitomir Hajszán, Obmann des HKD Kroatischen Kulturvereines Oberwart und Dr. Robert Hajszan, Leiter des Pannonischen Institutes Güttenbach. Anhand von interessantem Anschauungsmaterial und praktischen Beispielen fanden Jung und Alt sofort einen Bezug zu den alten Schriftzeichen, deren Tabellen auf den Tischen auflagen und vor Ort mit Kreiden und Buntstiften zu Papier gebracht werden konnten.

Siegfried und Robert Hajszan erzählten, wie die „Glagolica“ zu Stande gekommen war. Das glagolitische Alphabet wurde um 863 wurde vom byzantinischen Mönch Kyrill aus dem griechischen Alphabet in Pannonien und Mähren weiterentwickelt, um die kulturelle Eigenständigkeit der Slawen zu betonen. Die Mönche Kyrill und Method prägten die runde Glagolica, sie dominiert im bulgarisch-mazedonisch-serbischen Raum. Die jüngere eckige Variante ist vor allem in Dalmatien und Istrien verbreitet. Die kyrillische Schrift entstand im späten 9.Jahrhundert. Auf der Insel Krk und in der nordwestkroatischen Region Istrien hielt sich die Glagolica, sie wurde im 19.Jahrhundert im Rahmen der kroatischen Nationalbewegung ein Zeichen der Abgrenzung gegen den lateinischen Westen und den orthodoxen Osten. Professor Robert Hajszan zeigte auch eine Nachbildung der Tafel von Jurandvor, die man in der Kirche in Baška bewundern kann, wies auch Dokumente im Burgenland hin. So kann man beispielsweise ein in Klingenbach gefundenes Messbuch mit glagolitischen Schriftzeichen in Győr bewundern oder im Kloster von Güssing ein Brevier mit der Glagolica bestaunen. Siegfried Hajszan erwähnte auch, dass man auch den kroatischen Euromünzen das Länderkürzel HR in Glagolica finden kann. Nach praktischen Übungen stellte er ein Rätsel, man musste den Schriftzug „Keller“ entziffern. Ladislaus Kelemen führte die Kursteilnehmer in den alten Keller und berichtete von der Geschichte der Alten Schule.

Nach einer kurzen Pause wurde die zweite Lehreinheit eingeläutet. Dr. Zoltán Hubbes aus Bad Tatzmannsdorf, sehr reversiert in diesem Themengebiet, sprach stolz über seine siebenbürgischen Wurzeln und begann seinen zweisprachigen Vortrag über die ungarische Keilschrift „rovásírás“ mit dem Hinweis, dass es sich eigentlich um keine Keilschrift handelt, sondern um die ungarische Runenschrift, oft genauer „székely-magyar rovásírás“ genannt. Dieses alte Schriftsystem der Ungarn wurde benutzt, bevor sich das lateinische Alphabet im ungarischen Sprachraum vollständig durchsetzte. Später blieb sie vor allem in Randgebieten, in Inschriften, Holzschnitzereien und als Traditionsschrift erhalten. Sie wird vor allem mit den Széklern in Siebenbürgen, Erdély, in Verbindung gebracht. Das ungarische Wort „róni“ bedeutet ungefähr ritzen, kerben, einschneiden. Die Zeichen wurden oft in Holz, Stäbe oder andere harte Materialien eingeritzt, die Ursprünge sind nicht völlig eindeutig geklärt. Man nimmt an, dass die ungarische Keilschrift mit dem alten eurasischen Schriftsystem in Verbindung steht, im Mittelalter jedoch von der lateinischen Schrift verdrängt wurde. Wichtige Merkmale sind: Sie wird traditionell von rechts nach links geschrieben, die Zeichen sind geradlinig. Die ungarische Runenschrift ist nicht identisch mit germanischen Runen, es handelt sich um eine Lautschrift. Jedem Laut entspricht in der Regel ein eigenes Zeichen, oftmals wurden die Vokale auch ausgelassen. „Rovásírás“ wird heute vor allem kulturell, identitätsstiftend und dekorativ genutzt. Man findet sie manchmal auf Ortstafeln in Ungarn und Siebenbürgen, Denkmälern, volkskundlichen Publikationen, symbolischen oder patriotischen Darstellungen. Natürlich hatte Dr. Zoltán Hubbes auch Tabellen mit den Lauten und den lateinischen Buchstaben vorbereitet und lud zum Schreiben des eigenen Namens oder von Zahlen ein, die nicht mit den römischen Zahlen verwechselt werden sollten. Anschließend löste man das nächste Rätsel in „Geheimschrift“, dessen Lösung „Bibliothek“ lautete. Alle wurden ins Obergeschoss der Alten Schule eingeladen, um in historischen Büchern zu schmökern. Damit klang der äußert lehrreiche und interessante Vormittag aus und alle wurden mit ihren Tabellen und persönlichen Schriftversuchen entlassen, um das Wissen zu Hause noch zu vertiefen.